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Piotr Ilich Tchaikovsky

 
Silviya Georgieva, Ph.D.
Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 – 1893) war einer der führenden russischen Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dessen Werk vor allem für seine inspirierende Melodieführung und Orchestrierung bekannt ist. Als besonders subjektiver Komponist ist Tschaikowski untrennbar mit seiner Musik verbunden. Sein Werk präsentiert sich als eine Manifestation unterdrückter Gefühle, die in späteren Jahren zunehmend in Verzweiflung umschlugen und ihren authentischen Ausdruck in der Sechsten Symphonie, einem der wichtigsten symphonischen Werke seiner Zeit, fanden. Die letzten drei Symphonien erlangten zu Recht Berühmtheit – ebenso wie auch das Klavierkonzert Nr. 1 und das Violinkonzert. Erwähnenswert unter den Orchesterstücken Tschaikowskis sind das Frühwerk Romeo and Julia, eine Fantasie-Ouvertüre nach Shakespeare, und die hervorragende Serenade in C-Dur für Streichorchester. Unter den Opern stellt Eugen Onegin ein Meisterwerk dar, Pique Dame besticht vor allem durch ihre Dramatik. Die Kammermusik umfasst Streichquartette, Klavierstücke und zahlreiche schöne Lieder.

Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 1 (1874-1875) in b-Moll gehört zu den weltweit beliebtesten Konzerten der Musikliteratur. Tschaikowski zeigte die Partitur Rubinstein, der daraufhin einige Korrekturen vorschlug. Der Komponist weigerte sich zwar zunächst hartnäckig, etwas zu ändern, schrieb aber (mehrere Jahre später - 1879 und 1888) zwei neue Versionen). Auf Anraten von Karl Klindworth (einem Pianisten, der am Moskauer Konservatorium unterrichtete) übergab Tschaikowski die Partitur an Hans von Bülow, einem deutschen Pianisten und Dirigenten, der sich gern einverstanden erklärte, das Werk aufzuführen. Das Konzert ist ihm gewidmet. Die Uraufführung der Originalversion fand am 25. Oktober 1875 in Boston, Massachusetts, unter der Leitung von Benjamin Johnson Lang statt und das Konzert war von Anfang an ein Riesenerfolg. Die russische Erstaufführung fand am 13. November 1875 mit Gustav Kross und Eduard Napravnik in St. Petersburg statt. Die Moskauer Premiere wurde von Sergej Tanejew als Solist und von Nikolai Rubinstein als Dirigent, der seine Meinung über Tschaikowskis Werk überdacht hatte, bestritten. Später sollte Rubinstein das Werk noch wiederholte Male als Solist aufführen. Das Klavierkonzert Nr. 1 wurde enorm beliebt. Im 20. Jahrhundert gehörte es zum Repertoire so herausragender Pianisten wie Anton Rubinstein, Wladimir Horowitz, Emil Gilels, Svjatoslav Richter, Vladimir Ashkenazy und vieler anderer. Seit 1958 ist es Teil des Pflichtprogramms in der Endausscheidung des internationalen Tschaikowski-Wettbewerbs in Moskau. In seinem Konzert verarbeitete der Komponist Themen ukrainischer Volkslieder sowie im zweiten Satz das populäre französische Lied "Il faut s’amuser, danser et rire". Das Thema der Einleitung des ersten Satzes basiert auf einer Melodie, die Tschaikowski aufschnappte, als er auf einem Markt in Kamenka in der Nähe von Kiew blinden Bettelmusikanten begegnete. Ins Finale flossen hingegen Themen aus dem ukrainischen Volkslied “V’idy, v’idy, Ivanku” ein. Der Soloteil zeichnet sich durch seine besonders ausdrucksvolle Virtuosität aus und das Zusammenwirken von Soloinstrument und Orchester verleiht dem Werk Merkmale einer Symphonie für Klavier und Orchester.

Im Oktober 1879 begann Tschaikowski mit den Kompositionsarbeiten für ein neues Klavierkonzert. Das Schreiben ging ihm rasch von der Hand. Schon im darauf folgenden März hatte er das Werk vollendet und orchestriert. Klavierkonzert Nr. 2 in G-Dur war Rubinstein gewidmet, der es allerdings nie selbst spielen sollte, weil er im März 1881 verstarb. Die Uraufführung fand am 12. November 1881 in New York statt. Solistin war Madeleine Schiller und Theodore Thomas dirigierte die New Yorker Philharmoniker. In Russland wurde das Werk erstmals im Mai 1882 unter der Leitung von Anton Rubinstein mit Tschaikowskis Schüler, Sergej Tanejew, am Klavier, in Moskau aufgeführt. Zwischen der Coda des ersten und jener des zweiten Klavierkonzerts besteht eine bemerkenswerte Verbindung.

Die Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester (Premiere in Moskau, 1877) kamen innerhalb des Oeuvres von Pjotr Iljitsch Tschaikowski einem richtigen Konzert für Cello und Orchester am nächsten. Die Musik war inspiriert durch Mozart und zeigt die Bewunderung, die Tschaikowski für die Klassik empfand. Das Thema ist allerdings nicht Rokoko, sondern eigentlich ein Originalthema im Stil des Rokoko. Das Stück besteht aus einem Thema und sieben Variationen (acht in Tschaikowskis Originalversion) und dauert grob geschätzt 20 Minuten lang. Die Variationen werden ohne Pause gespielt, ausser zwischen dem letzten langsamen Satz und dem Finale. Doch auch diese beiden Teile sind nicht durch den üblichen dicken Doppelbalken getrennt, der sonst zwischen den Sätzen steht, sondern nur durch eine Fermate über dem Finale gekennzeichnet. Die Schwierigkeit des Stücks liegt im nur scheinbar harmlosen Aufbau der acht verschiedenen Abschnitte, in dem die üblichen längeren Orchester-Zwischenspiele, in denen der Solist wieder zu Atem kommt, fehlen.

Tschaikowski gilt als meisterhafter Komponist des klassischen Ballets, wie sich anhand seiner Partituren für Schwanensee, Nussknacker und Dornröschen zeigt. Der Nussknacker ist ein Ballett in zwei Akten. Tschaikowskis Adaption der Geschichte "Nussknacker und Mäusekönig" von E.T.A. Hoffmann war vom Leiter der Kaiserlichen Theater, Iwan Vsevolozhskiy 1891 in Auftrag gegeben worden. Erstmals inszeniert wurde das Werk am 18. Dezember 1982 von Marius Petipa. In den Ländern des Westens gilt Der Nussknacker als das wahrscheinlich beliebteste Ballettstück überhaupt. Tschaikowski traf noch vor der Premiere des Balletts im Dezember 1892 eine Auswahl von acht Stücken daraus, die er zur Nussknackersuite für konzertante Aufführungen zusammenfasste. Die Suite wurde erstmals unter der Leitung des Komponisten selbst am 19. März 1892 anlässlich einer Versammlung des St. Petersburger Zweigs der Musikgesellschaft zur Aufführung gebracht. Sie wurde auf der Stelle bekannt und beliebt, während das vollständige Ballett seine grosse Popularität erst nach der Inszenierung von George Balanchine, die in New York City ein Hit wurde, erlangte.

Dornröschen nimmt in der Ballettgeschichte einen wichtigen Platz ein, allerdings nicht nur als hervorragendes eigenständiges Werk, sondern auch als ein wichtiger Augenblick im Leben vieler Menschen. Es handelt sich um ein Ballett in drei Akten mit einem Prolog. Erstmals zur Aufführung gebracht wurde das Werk im Jahr 1890 im Mariinsky-Theater in St. Petersburg. Es gilt weithin als beste Ballettarbeit Tschaikowskis und gehört bis heute zum klassischen Repertoire der berühmtesten Ballette. Die Handlung zeigt die zwei gegensätzlichen Kräfte des Guten (die Fliederfee, Fee der Weisheit) und des Bösen (Carabosse, böse Fee). Jede von ihnen hat ein Leitmotiv, das für sie steht und sich durch das gesamte Ballett hindurch zieht, wo es wichtige Hinweise auf die eigentliche Handlung gibt. Nur im dritten Akt schweigen die beiden Motive. Hier liegt der Schwerpunkt auf den einzelnen Charakteren der verschiedenen höfischen Tänze.

Im August 1893 vollendete Tschaikowski seine letzte Symphonie Nr. 6 in b-Moll (die Pathétique). Am 28. Oktober dirigierte er die Uraufführung in St. Petersburg. Die zweite Aufführung fand unter Dirigent Eduard Nápravník 21 Tage später anlässlich eines Gedenkkonzerts am 18. November statt. Sie brachte einige kleinere Korrekturen, die Tschaikowski nach der Uraufführung angebracht hatte, und war somit die erste Aufführung des Werks in der heute bekannten Form. Die erste Moskauer Aufführung fand am 4./16. Dezember unter Vasily Safonov statt. Die Symphonie ist durch breite und eindringliche Themen mit reichen Verzierungen geprägt. Die sehr üppige Orchestrierung verzichtet auf den Versuch spektakulärer Effekthascherei. Der letzte Satz erscheint langsam und pathetisch – er stellt wohl Tschaikowskis Abschied vom Leben dar.